Es werde Licht…

Wegen Einbruch der Dunkelheit sind viele Jahre lang Baseballspiele abgebrochen oder vertagt worden.  Als in den 1930er Jahren die ersten Stadien mit elektrischen Scheinwerfern ausgestattet wurden, brach eine neue Epoche in der Geschichte des Ballsports an: Nachtspiele – Night Games. Chicago war bei dieser Entwicklung Vorreiter und Schlusslicht zugleich.

Am 22. Juli 1930 fand eines der ersten Ballspiele überhaupt bei Nacht statt. Schauplatz des noch nie dagewesenen Spektakels: Der Minor League Ballpark Wrigley Field in Los Angeles. Fünf Jahre später sollte dann das erste Major League Spiel bei Flutlich stattfinden. In Cincinnati schlugen die lokalen Reds die Phillies mit 2-1. Und auch in Chicago ging 1939 ein Licht auf. Allerdings zuerst im Comiskey Park bei den White Sox:

Die Fans waren begeistert von dem neuen Fortschritt und strömten zu Tausenden in die Arenen, um die neue Baseballära selbst zu erleben. Nur eine kleine Gruppe besorgter Baseballbürger(innen) schloss sich zu einer kritischen Beobachtermission namens C.U.B.S. zusammen, was für Citizens United for Baseball in the Sunshine stehen sollte. Große Bedenken hatten jedoch die Umpire: Würden bei dem künstlichen Licht Balls noch eindeutig von Strikes zu unterscheiden sein? Oder würde man den Ball bei funzeligen Lichtverhältnissen aus den Augen verlieren? Doch all diese Sorgen bestätigten sich nicht.

Dass sich der Profiballsport auf diese Weise vom Sonnenschein unabhägig gemacht hat, brachte natürlich andere Abhängigkeiten mit sich. Zu Rainout gesellte sich der Blackout als Feind des kontnuierlichen Ballspiels. Wie hier auf diesem Bild aus dem Jahr 1977 bei einem Heimspiel der NY Mets gegen die Chicago Cubs:

Blackout im New Yorker Shea Stadium, 13. Juli 1977.

Gerade als die Lichter ausgingen schlug Mets 3rd-Baseman Lenny Randle einen Hit – der aber nicht mehr gezählt wurde. Die Verantwortlichen brachen das Spiel besorgt ab, da die Eiskrem zu schmelzen drohte. Das behauptete der verärgerte Randle jedenfalls im Anschluss:

„It was pitch black, so I swing, make contact, and take off. What would you do? […] We had great eyes and great vision. I figured the game was going to continue, but I guess everyone in charge was too concerned about the ice cream melting.“

Während im Rest New Yorks Plünderungen ausbrachen, machten die Spieler im Shea Stadium im Scheinwerferlicht einiger Autos spontan eine kleine Trainingsshow für die verbliebenen, nicht minder enthusiastischen Zuschauer(innen).

Tja, und ihre Gegner, die Chicago Cubs? Die waren Nachtspiele auch einfach nicht gewohnt. Als letzter Major-Ballpark überhaupt wurde ihr Wrigley Field erst im Jahr 1988 elektrifiziert. Bis dahin fanden alle ihre Heimspiele bei Tage statt. Eine Besonderheit, die noch anhält: Nirgends werden weniger Flutlichtspiele angesetzt als hier.


Quellen: Blackout At Home: When The Lights Went Out At Shea Stadium In 1977

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Das Titelbild zeigt übrigens die Testphase der Stadionbeleuchtung. Anhand der symmetrisch aufgestellten Würfel sollte mit dem Licht so experimentiert werden, dass keine Schatten auf dem Spielfeld fallen.

Szene vom ersten Nachtspiel in Cleveland, 27. Juni 1939.

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