Ein ‚Germans‘ Sport?

Er scheint momentan in aller Munde – Max Kepler. Der Jungspund aus Deutschland hat sich als Stammspieler bei den Minnesota Twins etabliert und sorgt hierzulande für einen echten Popularitätsgewinn von Baseball. Doch der erste Deutsche ist er damit bei weitem nicht…

Auch wenn die Karriere des Berliner Ausnahmetalents Max Kepler (oder Mäks Keplör, wie die Spielkommentatoren ihn rufen) von Erfolgen gekrönt ist (hier eine aktuelle Meldung aus der B.Z.), hat er auf dem Weg doch etwas verloren: Sein zweiter Familienname Rosicky passte nicht mehr über seine Nummer auf den breiten Trikotrücken. Angesichts der amerikanischen Phonetikfertigkeiten wohl auch besser so…

Denn die Integration zahlreicher deutschstämmiger Spieler verlief meist nur unter Namensänderungen oder gar -verstümmelungen. Honus Wagner, Babe Ruth oder Lou Gehrig sind nur drei Beispiele von solchen Ausnahmeerscheinungen aus der klassischen Periode des Baseballs. Eigentlich hießen sie nämlich: Johannes Peter Wagner, Georg Hermann Ehrhardt Ruth und Heinrich Ludwig Gehrig.

T206 (Quelle: wikimedia)
Honus – so klingt die Verballhornung von Johannes – Wagner war seinerzeit von 1900-1917 der Inbegriff des athletischen Allrounders als Ballspieler. Für die Pittsburgh Pirates spielte er an Short Stop und war viele Jahre der beste Schlagmann der Liga. Besonders berühmt ist Honus Wagner darüber hinaus noch für etwas ganz anderes: Sein Porträt ziert die wertvollste Baseballsammelkarte der Welt: Die T206. Seine Schnelligkeit brachte Wagner außerdem den Spitznamen „The Flying Dutchman“ ein – in Anlehnung an seine deutsche Abstammung. Obwohl Dutch ja genaugenommen „Holländer“ bezeichnet. Zum Glück kommt es hier auf solche Feinheiten nicht an.

Gerade Ruth (lebte 1895-1948) und Wagner (1874-1954) stammten beide aus der deutschen Volksgruppe der sog. Pennsylvania Dutch. Und Pennsylvania gehört mit seinen beiden traditionsreichen Teams in Baltimore und Pittsburgh zum Baseball-Kernland in den USA.

Spring Training 1927 (Quelle: wikimedia)
In den 1920er Jahren übertrafen sich dann Lou Gehrig und Babe Ruth, der wegen seines Superstarimages auch sultan of swag genannt wurde, abwechselnd in erzielten Homeruns für die New York Yankees. Gemeinsam sind sie auf dem rechten Foto zu sehen. Die wachsende Konkurrenz zwischen den beiden ging gar so weit, dass sie jahrelang kein Wort miteinander wechselten. Dabei hatten sie eine gemeinsame Sprache, waren beide des Deutschen mächtig, wie der legendäre, ebenfalls aus Pennsylvania stammende Sportreporter Frederick Lieb einmal überlieferte.
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Einen besonderen Beweis für sein Selbstverständnis als „Ballspieler mit deutschem Migrationshintergrund“ lieferte Babe Ruth während des Zweiten Weltkriegs. Im Dezember 1942 unterzeichnete er einen Aufruf, der unter dem Titel „Christmas Declaration by men and women of German ancestry“ in der New York Times erschien. Führende Deutschamerikaner verurteilten darin die Nazi-Barbarei aufs Schärfste. Unter den Unterzeichnenden war Babe Ruth mit Abstand der Berühmteste.
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Insgesamt listet der Baseballalmanac neben Max Kepler übrigens 41 weitere MLB-Profis, die in Deutschland geboren wurden. Nicht mitgezählt sind da die unzähligen Spieler, die wie Wagner, Ruth und Gehrig aus deutschstämmigen und deutschsprachigen Familien stammten.Und dann waren da noch die Migranten aus Deutschland, die den Ballsport neben dem Feld prägten. Die angeborene Ahnungslosigkeit vom Ballspiel hinderte beispielsweise Christian Friedrich Wilhelm von der Ahe nicht daran, das Drumherum maßgeblich zu beeinflussen: Bier und Hotdogs sind nämlich erst auf seine „deutsche“ Initiative hin fester Bestandteil des amerikanischen Zeitvertreibs geworden. Aber diese skurrile Geschichte muss ein anderes Mal zu Ende erzählt werden.


Mehr zu Max Kepler: Auf der facebook-Seite „Baseball Deutschland“ erscheint ein täglicher Kepler-Tracker mit allen gelungenen Spielaktionen: Bunts, Homeruns, Diving Catches. Für die Völkerverständigung hat er auch einen youtube-Glossar mit Baseballtermini (englisch-deutsch) aufgelegt.

Mehr zu Honus Wagner: 1997 erschien ein Jugendbuch von Dan Gutman mit dem Titel „Honus and Me“. Darin wird die Geschichte eines Jungen erzählt, der Baseballkarten sammelt und – über magische Kräfte in der berühmten T-206 – Honus Wagner persönlich trifft. Das Buch wurde 2004 als The Winning Season verfilmt.


Mehr zu Lou Gehrig: Dem viel zu jung verstorbenen Gehrig (1901-1941) setzte Gary Cooper in dem 1942 erschienen Streifen The Pride of the Yankees (dt. Der große Wurf) ein Denkmal. Hier ist seine Abschiedsrede aus dem Film zu sehen, mit dem echten Babe Ruth als Statist im Hintergrund.


Mehr zu Babe Ruth: Die Doku „Universal Babe“ aus dem Jahr 2012 beleuchtet sehr eindringlich, wie engagiert Ruth auch neben dem Ballpark für soziale Belange eintrat. Für die schwarzen Ballspieler in den Negro Leagues, die Expansion des Ballsports nach Japan und vieles mehr.

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