Castro’s Curveball

Die Crux mit dem Curveball ist die, dass er unerwartet seine Flugbahn ändert. Genau wie Fidel Castro: Erst wurde er als Pitcher-Talent für ein US-amerikanisches Team gescoutet, dann schaffte er nach der Revolution auf Kuba den Profibaseball ab. Was der Kalte Baseballkrieg zwischen den USA und Kuba mit Castros Curve zu tun hat, lest ihr hier.

Die Karriere des Fidel Castro (1926-2016) lässt sich etwa so in Worte fassen: von einer talentierten Sportskanone zum revolutionären Revolverhelden. Dabei hält sich wacker das Gerücht, Fidel stand als junger Mann kurz davor von den Washington Senators gescoutet zu werden. Wie wäre die Geschichte wohl verlaufen mit einem Castro als Pitcher-Ass in den USA statt als Revolutionsführer in Kuba?

Der Schriftsteller Tim Wendel hat all die Baseball-Legenden, die sich um Castro ranken, in seinem Roman “Castro’s curveball” verflochten. Eine spannende Synopsis dieser Mythen und der Realität im Dunstkreis des Maximo Líder kannst du hier nachlesen.

Doch der Kalte Krieg zwischen den USA und Kuba hat seine Wurzeln auch im Ballsport. Mit dem US-Embargo über die Karibikinsel einher ging eine Art kubanisches Embargo gegen den Baseballsport:

Zur Vorgeschichte: Über Jahrzehnte diente Kuba den amerikanischen Profis als Winterquartier mit einer eigens laufenden professionellen Winterleague. Doch mit dem Sieg der Revolution unter Fidel Castro vollzog sich eine einschneidende Wende auch für das Ballspiel auf der Karibikinsel. Profisport wurde abgeschafft und stattdessen ein reines Amateursystem etabliert. Der Vorteil: Baseball ist auf Kuba geblieben, was es ist: Ein pastorales Freizeitvergnügen.
Der Nachteil: Die zahllosen Talente versauern dort unten wie Zitrusfrüchte in einem Christstollen – gerade mal 90 Seemeilen von der amerikanischen Küste entfernt.

Talente, Schlepper, Chapman

Das bringt viele der hochtalentierten Kubaner dazu, auf dubiosen Wegen gen Norden zu fliehen. Meistens mit dem Boot nach Florida, um in den USA das Glück als Ballspieler zu suchen. So auch Aroldis Chapman. Er ist mit über 160 km/h der schnellste Pitcher der Ballgeschichte. Sein Einsatz im siebten Spiel der vergangenen World Series 2016 brachte den Chicago Cubs u.a. den Sieg ein. Nun möchte ich aber von einer anderen Seite des Aroldis Chapman sprechen. Denn kein anderes Talent verkörpert so wie er die Auswüchse des “Kalten Baseballkriegs” zwischen den USA und Kuba.

Ein Fluchtversuch Chapmans mit dem Boot im Jahr 2008 scheiterte. Doch schaffte er es zwei Jahre später während der WM in Rotterdam, sich abzusetzen. Heikel ist dabei, dass scheinbar Exilkubaner aus den USA als Schlepper eingesetzt werden, um die Talente aus Kuba in die Staaten zu schmuggeln. Seitdem Chapman in Amerika spielt (erst Cincinnati Reds, dann Yankees, Cubs, jetzt schon wieder Yankees), kann er das Gerücht nicht abschütteln, in weitere Anwerbeversuche verwickelt zu sein.

Denn zahlreiche MLB-Profis sind “Flüchtlinge” aus Kuba: 98 in der Geschichte, darunter 10 Allstars und so berühmte Persönlichkeiten wie José Abreu, Alexei Ramírez sowie der im September 2016 tragischerweise bei einem Bootsausflug verunglückte Pitcher der Miami Marlins José Fernandez.

Der Kalte Krieg um junge Talente überdauert nun auch den Tod von Fidel Castro, der ironischerweise selbst ein großer Ballpassionario war.


Zwei Buchempfehlungen zum Thema Baseball in Kuba

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