Von Einarmigen und Zwergen

Einige herausragende Ballspieler zogen seit jeher aus körperlichen Handicaps einen entscheidenden Leistungsvorsprung. Anderen verhalf ihre Sonderbefähigung jedoch eher aufgrund ihres Exotenstatus zu einer Karriere. Nicht zuletzt um mehr Zuschauer ins Stadion zu locken.

Eines der berühmtesten Beispiele ist der Pitcher Mordecai Brown, dem in den Jahren 1903 bis 1916 der Spitzname Three Finger Brown anhaftete. Eigentlich ein Unglücksrabe: Erst zersägte eine Maschine auf der elterlichen Farm seine rechte Hand und er verlor seinen Zeigefinger. Noch während die Hand heilte, brach er sich dann die verbliebenen Finger bei einem Sturz, worauf diese nur krumm zusammenwuchsen. Doch in der Folge machte ihn diese Behinderung zu einem der am meisten gefürchteten Werfer seiner Zeit. Er warf den Ball mit mehr Topspin, als mit einer gesunden Hand möglich ist. So entwickelte er einen der unberechenbarsten Curveballs seiner Generation.

(c) wikimedia

Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Baseballspieler eingezogen oder dienten freiwillig in der Armee. Um den Spielbetrieb am Laufen zu halten, wurden plötzlich die abgefahrensten Typen auf dem Spielfeld eingesetzt. (Ganz zu schweigen von dem Intermezzo einer Damen-Liga). Am meisten stach wohl der einarmige Pete Gray heraus, der in der Saison 1945 für St. Louis auflief:

Im Jahr 1951 kam es dann zu einer weiteren Neuheit. Um mehr Zuschauer anzulocken, ließ sich der Besitzer der St. Louis Bronws (heute Cardinals) eine Art Zirkusnummer einfallen. Mit der Nummer 1/8 trat der kleinwüchsige Eddie Gaedel auf. Er trat gleich im ersten Inning als Pinch Hitter (Einwechslung am Schlag) an die Platte. Da bei seiner Körpergröße von 109 cm die Strikezone einem Nadelöhr glich, kam er mit 4 Balls direkt auf die erste Base – und wurde durch einen weiteren Einwechselspieler (Pinch Runner) ersetzt. Da dies Gaedels einziger Einsatz bleiben sollte, änderte sich seine perfekt Bilanz nicht mehr. Den Clubbesitzer Danny Veeck verleitete das zu den Worten: „He was, by golly, the best darn midget who ever played big-league ball. He was also the only one.“

Doch bereits am nächsten Tag schob die Ligaleitung der sog. Zwergentaktik einen Riegel vor: Gaedels Vertrag wurde für ungültig erklärt und Veeck dafür gerügt, das Ballspiel ad absurdum zu führen.

Der Bestsellerautor Philip Roth hat all diesen Kuriositäten in seinem Roman „The Great American Novel“ ein ironisches Denkmal gesetzt. Darin kämpft ein aus Losern, Freaks und Exoten bestehendes Team ohne eigenes Heimstadion um ihr letztes Fünkchen Ehre auf dem Feld. Und natürlich haben am Ende die Russen, bei diesem grandiosen Versuch den amerikanischen nationalen Zeitvertreib zu zerstören, die Finger im Spiel.

Und die Story des einarmigen Talents Pete Gray wurde sogar für das Fernsehen verfilmt unter dem Titel „A Winner Never Quits“.

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