Filme im Ballfieber

Sport als Metapher – in Film und Literatur nichts Ungewöhnliches. Da erfüllt sich schnell die alte Mär vom Tellerwäscher zum Millionär. Aber manchmal ist es schwer zu schnallen: Warum wird in amerkanischen Filmen ständig Baseball gespielt, in europäischen aber nur Fußball?

Früher war alles besser – sogar der Baseball. In dem Film „Feld der Träume“ (engl. Field of Dreams) beispielsweise spielt Kevin Costner einen unkonventionellen Farmer im Mittleren Westen der USA. Wider jede Vernunft entscheidet er sich plötzlich sein wertvolles Ackerland in einen Ballpark zu verwandeln – mitten in der Pampa. Doch dann erscheinen die Geister legendärer Spieler aus der Vergangenheit (siehe Bild oben). Allerdings nur denen, die noch nicht von der rücksichtslosen Profitgier unserer Zeit erfasst sind. Die gute alte Zeit, als Baseball noch nicht von überbezahlten und extravaganten Titanen betrieben wurde, wird hier gegen den modernen Kommerz ausgespielt. Wer mag wohl im Film den Sieg davontragen?

Solche Deutungsmuster lassen sich auf viele weitere Spielfilme und Bücher anwenden. Der englische Schriftsteller Nick Hornby wurde mit dem Buch „Fever Pitch“ 1992 berühmt. Er behandelt darin parallel zu den (historischen) Ereignissen rund um ein bekanntes britisches Fußballteam die Themen Erwachsenwerden, Suche nach sich selbst, Familie und Freunde. Eine tolle Geschichte, die bald darauf auch verfilmt wurde. 1997 kam er mit dem deutschen Titel „Ballfieber“ in die Kinos. Der Erfolg war so umwerfend, dass auch Hollywood an dem Stoff Interesse bekam.

Nur: Wie ein amerikanisches Publikum für Fußball und seine Verzweigungen mit einem persönlichen Schicksal und Leben gewinnen? Na ganz einfach……du schreibst das Skript um, und aus Fußball mach Baseball. Voilà! So wurde aus dem FC Arsenal einfach das Team der Boston Red Sox. Und unter der Regie der Farrelly Brothers und dem (ziemlich einfallslosen) deutschen Titel „Ein Mann für eine Saison“ (2005) erschien eine herzzerreißende Komödie. Hier ein kleiner Ausschnitt:

 

Würde man diesem Prinzip bei uns folgen, müssten eigentlich auch viele amerikanischen Filme neu gedreht werden. Aus „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ würde dann wahrscheinlich ein Film über Uli Hoeneß. Und der Streifen über die Loser von „Die Indianer von Cleveland“ ließe sich bestimmt erfolgreich umwandeln in eine Hommage an „Bayer Keverlusen“. Oder aber, wir arbeiten einfach weiter daran, dass Baseball auch hierzulande zu einer für alle verständlichen, kulturellen Referenz werde.

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