Possenreißer

Ballplayer unterliegen einem ganzen Set an ungeschriebenen Verhaltensregeln. Anders als etwa beim Fußball, wo jeder Torjubel ausgelassen inszeniert wird, ist es im Baseball verpönt, Offensiverfolge selbstherlich zu zelebrieren. Doch die Geschichte kennt einige Spieler, die gerade durch ihre eigensinnige Selbstdarstellung aufgefallen sind.

Schon gewusst, dass man auch die erste Base stehlen kann?
Dieses Kunststück gelang im Jahr 1911 dem Infielder der Washington Senators, Herman Schaefer (1876-1919) – genannt „Germany“ Schaefer, aufgrund seiner deutschen Abstammung. Im Spiel gegen die Chicago White Sox befand sich Schaefer im 9. Inning auf der ersten Base mit einem weiteren Runner (dem potenziellen Punkt für den Sieg) auf 3. Um den Catcher zu einem Wurf zur zweiten Base zu bewegen – und so dem Runner von der 3. Base den Steal nach Hause zu ermöglichen – stiehlt Schäfer die zweite Base. Doch der Catcher lässt sich nicht beeindrucken. Also stiehlt sich Schaefer beim nächsten Pitch wieder zur 1. Base zurück, um den Spielzug erneut zu wiederholen.

Germany Schaefer war zu seiner Zeit bei den Detroit Tigers als einer der Wenigen sogar mit dem Kotzbrocken Ty Cobb befreundet

Erst nach Schaefers Tod wurde im Jahr 1920 eine Regel eingeführt, die derartige Verwirrungstaktiken untersagt.

Einmal trat Schaefer in Regencape und Gummistiefeln an den Schlag, um den Umpire auf den einsetzenden Schauer aufmerksam zu machen. Ein anderes Mal kam er mit angeklebtem Schnurbart aufs Feld. Zum Ziel seiner Possen und Spottereien machte er gerne auch die Pitcher. Als er in Philadelphia einen weiten Homerun schlug, schulterte er beim Umrunden der Bases seinen Schläger wie ein Gewehr und hielt an jedem Mal inne, um einen fingierten Schuss auf den verdutzten Pitcher abzufeuern.

Ein anderer, der mit seinem Homerun-Jubel in die Annalen des Ballsports einging, ist Jim Piersall (1929-2017). Als ihm am 23. Juni 1963 sein 100. Homerun gelang, machte er sich rückwärts gewandt auf den Weg um den Diamond und kehrte im Moonwalk zur Homeplate zurück.

Berühmt wurde Piersall jedoch auch mit seiner Autobiographie „Fear Strikes Out“ (1955), in dem er sich zu seinen psychischen Problemen bekannte. Die nachfolgenden Slides zeigen einige Höhepunkte aus Piersalls Karriere als Baseballprofi und Possenreißer:

 

Zu guter Letzt sei der eher tollpatschig veranlagte Outfielder Babe Herman (1903-1987) erwähnt. Ein Sportreporter sagte einmal über ihn:

„Die Chancen standen 50:50, dass er einen Flyball entweder aus der Luft fing oder von ihm erschlagen würde.“

wikimediaDoch Babe Herman nahm es gelassen hin: „Wenn mich jemals ein Flyball am Kopf erwischen sollte, höre ich auf.“
Im August 1926 brachte er es als Schlagmann für Brooklyn fertig, ein sicheres Double (Hit für 2 Bases) in ein Double Play (zwei Out auf einmal) gegen sein Team zu verwandeln. Obwohl alle Bases besetzt waren, versuchte Herman bis zur dritten Base vorzurücken. Doch dort stand schon der Runner vor ihm und dazu noch der Mitspieler, der zuvor an der 2. Base gewartet hatte. Ihn hatten seine Füße nicht schnell genug nach Home getragen und er war zu seiner letzten Base zurückgekehrt. Im Ergebnis waren Babe Herman und der Runner vor ihm aus, und folgender Witz machte die Runde:

Brooklyn hat drei Mann auf Base. – Ach wirklich, auf welcher Base?


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