Zurück in die Steinzeit

Irgendwie spielten keulenartige Schlagwerkzeuge in der Entwicklung der Menschheit eine wichtige Rolle. Bis hin zur zivilisatorischen Höchstleistung des Baseballschlägers. Gleichzeitig fallen immer wieder Kriminelle und glatzköpfige Horden dadurch auf, dass sie mit diesem Spiel- und Sportgerät in steinzeitliche Praktiken zurückfallen. Ein Plädoyer, warum es sich beim „Bat“ tatsächlich um ein Sportgerät und keine menschenfeindliche Waffe handelt.

Ohne ein gewisses Ding kann kein Baseballspiel stattfinden. Im Gegensatz zum Handschuh – jahrzenhntelang war es für die Männer ehrenrührig damit aufzulaufen, oder einem Helm – erst der Todesfall des von einem Pitch „erschlagenen“ Ray Chapman führte zu deren Einführung, geht beim Baseball ohne Schläger nix.

Dabei war der Fantasie, womit der Schlagmann nach dem Ball ausholen durfte, in den Anfangsjahren keinerlei Grenzen gesetzt. So sind Schlaggeräte überliefert wie der  sogenannte banana bat: Ein krummer Schläger in Form eines Fragezeichens, „der dem getroffenen Ball einen tückischen Effet vermittelte“, wie Philip Roth in seinem wahnwitzigen Baseballroman „The Great American Novel“ vermerkte.

Emile Kinsts Bananenschläger

Solange keine Regelungen exisitierten, florierte eine enorme Vielfalt an Schlägern, die zum Baseballspielen verwendet wurden. So listet wikipedia noch den Spalding mushroom bat mit dickem Knauf zur Gewichtsverlagerung am Griffende und den Wright & Ditsons Lajoie baseball bat, über den Philip Roth schrieb: „zur Erleichterung weniger harter Schläge entwickelter abgeflachter Schläger“.

Und natürlich veränderte die Normierung des Baseball Bats bis 1920 dann auch das ganze Spiel. Das kraftvolle Durchschwingen – slugging wurde plötzlich populär und löste den smarten Small Ball ab, der nach der Maxime „Hit ‚em where the ain’t“, in etwa „Schlag da hin, wo keiner ist“ funktionierte. Die Ära von Babe Ruth begann.


Bis sich ein Modell durchsetzte, fertigte sch jeder Spieler sein eigenes Gerät individuell an. Zum industriellen Standard wurde schließlich das handgedrechselte Barrel von einem deutschen Einwanderer namens Hillerich in Kentucky: Der Louisville Slugger. Sein Siegeszug machte auch vor der Popkultur nicht Halt, wie folgendes kleine Video erläutert:

Heute sind die Maße der Schläger streng reglementiert: „Ein Baseballschläger muss im Querschnitt kreisrund sein, darf maximal 42 Zoll (knapp 107 cm) lang sein und an der stärksten Stelle einen Durchmesser von höchstens 2,75 Zoll (knapp 7 cm) aufweisen. Sein Gewicht liegt gewöhnlich zwischen 26 und 35 Unzen (rund 800 bis 1000 Gramm)“ (Quelle). Früher waren Keulen von bis zu 1,4 kg Gewicht keine Seltenheit.

Durchgesetzt hat sich außerdem die Verwendung von Eschenholz. Doch seitdem Anfang der Nullerjare hintereinander mehrere neue Homerun-Rekorde mit Ahornschlägern aufgestellt wurden (wobei wohl weniger das Material als der Einsatz von Steroiden ausschlaggebend war), sind mittlerweile mehr als die Hälfte der MLB-Spieler darauf umgeschwungen. Der Trend wird wohl anhalten, da in der Zwischenzeit auch die traditionellen Eschenholz-Bestände im Bundesstaat Pennsylvania von einer Käferplage bedroht sind.

Darüber hinaus pflegen die erfolgreichsten Schlagmänner zum Okkulten neigende, abergläubische Beziehung zu ihren Schlägern. So feilte und striegelte Ty Cobb, ein Kontrahent Babe Ruths und Vertreter des oben erwähnten Small Ball, sein Keulchen vor jedem Spiel mit einem Ochsenknochen. Andere glauben, dass jedem Bat nur ein Hit innewohnt, und tauschen folglich ständig ihr Gerät. Und in dem Hollywoodstreifen „The Natural“ (dt. Der Unbeugsame) fertigt Robert Redford seinen fulminanten „Wonderboy“ aus dem Holz eines vom Blitz gespaltenen Baumes. Den Effekt kannst du hier belauschen: Szene Batting Practice

Ausgerechnet dieses zentrale Werkzeug zum Baseballspielen steht bei uns jedoch in zweifelhaftem Ruf, weil vor allem gewalttätige Neonazihorden den Schläger zweckentfremdet haben. Aber auch auch auf den Gangsterboss Al Capone geht eine brutale Umwidmung dieses anspruchsvollen Sportgeräts zurück. Robert de Niro stellte die Szene in dem Film „The Untouchables“ mit einem wunderbar mehrdeutigen Monolog über das Ballspiel und das ihm inhärente Wechselspiel zwischen individueller und Teamleistung nach. Der Ausschnitt eignet sich aufgrund der rohen Gewalt nicht für Inside Corner-Fans unter 16 Jahren.

Zugegeben: Die Baseball-Keule erinnert in ihrer heutigen Form an eine Jagdwaffe aus den Anfangszeiten der Menschheit. Doch genau durch solche rudimentären Reminiszenzen verbindet der Sport die Menschen mit ihrem Ursprung in der Natur und hebt uns durch den filigranen und höchst athletischen Einsatz der zum Bat gewordenen Keule in die Sphären der Kultur. Diese Ästhetik lässt sich besonders genussvoll in der Super-Slowmo bewundern, wie hier:


Hier findest du außerdem alle physikalischen Einzelheiten und Fakten zu Materialien und erwiesenen Erfolgsrezepten rund um die Wahl des passenden Sportgeräts: Properties of Baseball Bats

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